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27.04.09

„In der Krise braucht es Visionen“

Wie wirkt sich die weltweite Wirtschaftskrise auf das Unternehmen REITZ aus?
Gierse: Als Zulieferer des Maschinenbaus bleibt natürlich auch ein erfahrenes Unternehmen wir REITZ nicht von der weltweit angespannten Wirtschaftslage verschont. Zwar profitieren wir in der ersten Jahreshälfte noch vom exzellenten Auftragsvolumen des Vorjahres, wie in fast allen Branchen weht jetzt aber auch bei uns ein schärferer Wind.

Wie reagieren Sie auf diese Situation?
Breder: Im Vergleich zu vielen anderen Unternehmen sind wir gut gerüstet. Wir re-agieren nämlich nicht, sondern wir agieren. In enger Abstimmung mit unseren Führungskräften haben wir bereits in den letzten Jahren viele Entscheidungen getroffen und Maßnahmen eingeleitet, die uns jetzt helfen, die aktuellen Herausforderungen zu meistern.

Welche Maßnahmen sind das konkret?  
Gierse: Wir haben zum Beispiel frühzeitig in neue Fertigungshallen und Maschinen investiert und dadurch unsere Produktionskapazitäten nachhaltig gesichert. Wir haben neue Märkte erschlossen, insbesondere Russland und die GUS-Länder, in die wir in den vergangenen Jahren bereits mehr als 1500 Ventilatoren geliefert haben. Über unseren Partner REITZ India haben wir zahlreiche Kunden im Mittleren Osten, vor allem in der Zementindustrie. Insgesamt stieg unser Exportanteil seit 2005 um rund 15 % auf über 40%!  
Breder: Wir haben die innerbetriebliche Organisation optimiert, Verantwortlichkeiten neu definiert, klarere Strukturen im Unternehmensaufbau geschaffen, die Kommunikation zwischen den Abteilungen intensiviert. Wir  haben die Fertigungsprozesse optimiert, Schnittstellen der Fertigung überprüft und angepasst, die Ressourcenplanung verbessert.
Gierse: Außerdem haben wir konsequent in Forschung und Entwicklung investiert. Noch vor 10 Jahren bauten wir Ventilatoren bis maximal 4000 kW, heute sind wir in der Lage, bis zu 10.000 kW zu fertigen.

Glauben Sie, dass das ausreicht, um die globale Durststrecke zu überstehen?
Gierse: Das ist auf jeden Fall ein gutes Polster, auf dem wir uns aber nicht ausruhen werden. Jetzt kommt es mehr denn je darauf an, dass wir unsere Kräfte bündeln und uns konsequent auf unsere Kunden und unsere Stärken konzentrieren.

Wo liegen diese Stärken?
Breder: In unserer konsequenten Kundenorientierung. Unser Ziel ist es, dem Kunden individuelle Lösungen zu bieten, egal ob es sich um einen Ventilator mit 10.000 kW oder um einen mit 100 kW handelt. Wir fertigen zwar nach einem genormten Baukastensystem, die Ventilatoren, die dabei heraus kommen, sind aber so individuell wie die Bedürfnisse und Anforderungen unserer Kunden. Industrielle Maßschneiderei auf der Basis genormter Bauteile, die, falls einmal ein Ersatzteil benötigt wird, garantiert nach Jahren noch verfügbar sind. Diese Stärke gilt es besonders in Krisenzeiten herauszustellen. Unsere Kunden - in der Regel Anlagenbauer - sind durch die Krise verunsichert, haben mit Umsatzrückgängen zu kämpfen, stehen unter Druck. Diesen Druck wollen wir ihnen nehmen - indem wir ihnen als verlässlicher Partner zur Seite stehen, optimale Lösungen bieten, ihnen die Arbeit so leicht wie möglich machen, ihnen Topqualität und faire Preise bieten und vieles mehr.
Gierse: In der hohen Qualität und Verfügbarkeit unserer Ventilatoren. Unsere Kunden bestätigen uns immer wieder, dass die Marke REITZ der Mercedes unter den Ventilatoren sei. Das motiviert uns natürlich, auch oder vielmehr besonders in Zeiten der Unsicherheit weiterhin auf Qualität zu setzen.
Breder: Zum Beispiel in unserer Fähigkeit, uns auf das Wesentliche zu konzentrieren. REITZ ist eines der wenigen Unternehmen in der Ventilatorenbranche, das sich ausschließlich auf Ventilatoren und deren Zubehör konzentriert. Diese Konzentration ist zwar ungewöhnlich, erweist sich aber immer wieder als Vorteil. Unser Know How im Ventilatorenbau wird von vielen Stammkunden geschätzt.
Gierse: Und natürlich in unserer Belegschaft, die die Grundlage unseres Unternehmenserfolges darstellt. Diese Menschen sind unsere Zukunft, und deshalb werden wir alles tun, um ihnen auch weiterhin einen sicheren Arbeitsplatz zu bieten. Wir werden weiter in die Weiterbildung investieren, wir werden weiterhin eine intensive Nachwuchsförderung betreiben und Aufstiegschancen bieten.

Was glauben Sie, wo die Reise für REITZ hin geht?
Breder: Wohin die Reise geht, hängt maßgeblich davon ab, in welchen Zug man sich setzt. Wir haben über Generationen die Weichen sorgfältig gestellt, um das Unternehmen in die einzig richtige Richtung zu führen: Nach vorne!
Gierse: Viele Menschen verfolgen in Krisenzeiten die Vogel-Strauß-Methode: Ich stecke den Kopf in den Sand, dann bin ich die Probleme los. Bei uns ist das anders: Besonders in der Krise braucht es Visionen. Wir haben immer den Mut gehabt, nach vorne zu schauen und werden das auch weiterhin konsequent tun.